Sonntag, 21. Juni 2009

Alles neu

Sommeranfang. Zeit, den lange vernachlässigten Ameisenblog wiederzubeleben.
In der Zeit seit April hat sich einiges getan im Reich der DICKEN. Zunächst einmal musste ich dem Expansionsdrang des kleinen Volkes Tribut zollen und habe eine neue Umwelt aufgebaut. Diese neue Umwelt hat die Aktionsmöglichkeiten der Ameisen enorm erweitert, und dies wurde prompt angenommen und hat zu einer sehr positiven Entwicklung des Ameisenstaats geführt.

Die neue Umwelt besteht aus einem Aquarium (Länge x Breite x Höhe: 40 x 25 x 25, in cm), das zu 2/3 mit Schichten aus Kakteenerde und Terrariensand gefüllt ist. Die Grundschicht besteht aus ca. 2 cm Tongranulat, das ich von außen über einen Schlauch bewässern kann, um einen Feuchtigkeitspuffer für den Boden zu haben. An der Oberfläche der Erdfüllung liegt ein kleiner Baumstamm, geklaut vom Feuerholz meiner Nachbarinnen, der Kaiserziegel und noch ein paar Dekoteile, unter denen die Ameisen sich verstecken können. Das Aquarium selbst steht in einem mit Wasser gefüllten Katzenklo. So kann niemand abhauen. Und oben drauf, quer über die Ränder des Aquariums, habe ich die völlig überbevölkerte Ameisenfarm abgestellt. Der Zugangsschlauch, inzwischen von den Ameisen komplett mit Sand undurchsichtig gemacht, endet in der neuen Buddelkiste (s. Fotos).
Die neue Umwelt (klicken zum vergrößern)

Die Pflanzen sollten die Ameisen zur Blattlauszucht nutzen. Dafür hatte ich extra einen läuseverseuchten Rosenzweig in die Buddelkiste gesetzt, der jedoch komplett ignoriert wurde. Nur die toten Läuse wurden anschließend im Wasser entsorgt. Meine Lasius niger fressen lieber Birnenscheiben (der neueste Renner!), als Farming zu betreiben.

Inwischen ist die neue Sandkiste bereits stark unterminiert - überall gibt es größere und kleinere Zugänge. Der Haupteingang, durch den auch größere Beuteinsekten unter die Erde verbracht werden, befindet sich im Schutz des Stammes. Dort bleibt es trocken, auch wenn es regnet (ja, das tut es jetzt auch manchmal - später mehr dazu). Seitlich am Glas sind Teile der Gänge zu sehen. Dennoch ist auch die Ameisenfarm weiterhin bewohnt. Man kann noch eine Kammer erkennen, in der frische Eier liegen. Ich könnte mir vorstellen, dass auch die DICKE selbst dort noch lebt - ich weiss es allerdings nicht. Vielleicht steckt sie auch tief unten in der Sandkiste. Man sieht halt nur noch, was sich überirdisch tut.

Zusammengefasst: dem Volk der DICKEN geht es prächtig! Ist tierisch was los im Glaskasten.

3 Kommentare:

Iggster hat gesagt…

...ich habe heute einen interessanten Fund gemacht, der bestens in diesen Blog passt.

Vergiss deine Arena, Michael. Vergiss dein Ameisen-Bau. Ich habe das perfekte Biotop für meine sicherlich ganz dicke gebaut.

Heute habe ich eine Palette Klinker, die ich noch im Garten stehen hatte umgestellt. Die Palette hatte ich natürlich ordnungsgemäß agbedeckt und hermetisch mit Steinen verriegelt, so dass ein herrliches feuchtwarmes Klima im Innern entstehen konnte.

Dieses war wohl der hiesigen Ameisenart nicht ganz unrecht, denn ein riesiges Volk hatte sich in den letzten Monaten gebildet. Ein Volk an dem ich heute Genocide betrieb.

Und die Biester sind aber auch was fleißig. Ich habe heute gefühlte 3 Mio. Eier freigelegt. Ungefähr 2,5 Mio. davon waren jedes mal, wenn ich mit der Schubkarre zurückkam eine Etage tiefer angesiedelt. Und das ganze 7 Schichten lang. Sonderlich clever also wiederum scheinen sie nicht zu sein. Angepisst waren sie aber wiederum nicht, denn das war ich irgendwann...und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.

So gar nicht angepisst wiederum war ein ganz anderer Kamerad. Nämlich eine Eidechse, die ebenfalls in meinem Biotop eingezogen ist. Der Kerl war entweder eine trächtige Dame oder aber was ich viel eher vermute eben doch ein Kerl. Genau genommen ein ziemlich schlauer Kerl. Der Kollege hatte sich nämlich wahrscheinlich seit Wochen kaum noch bewegt, sich dafür aber tagtäglich den Wanst vollgeschlagen. Kurz gesagt...das Viech war fett wie bolle. Sorry, dass ich deinen reich gedeckten Mittagstisch so abrupt abgeräumt habe, Fetti.

Einige Fragen an den Spezialisten hätte ich da aber noch:

1. Warum sind Ameisen-Eier eigentlich größer als die Biester selbst? Man stelle sich das mal bei Straußeneiern vor!

2. Handelte es sich bei mir gar um 2 verschiedenartige Völker oder generiert ein- und dasselbe Volk normales Fußvolk und flugtaugliche Ameisen?

3. Warum fliegen die geflügelten Ameisen nicht, sondern verkriechen sich nur im Dunkeln?

4. Warum sind die größeren Flugameisen eigenliche solche Schisser, die sie sofort verkriechen, während das Fußßvolk ordentlich ackernd Nachwuchs, Nahrung, Baumaterial und sich selbst in Sicherhheit bringt?

Fragen über Fragen!

Cheers...
Xta

p.s. Ich werde Michael morgen einige Fotos mitbringen...vielleicht gibt es also auch von meinem Volk hier bald etwas zu sehen.

Michael hat gesagt…

Hallo Xta,

na, da bin ich aber mal gespannt auf die Fotos! Da werde ich dann wohl 'ne neue Kategorie "Gastvölker" einrichten!
Ganz besonders gespannt bin ich natürlich auch auf den Ameisenverspeiser "Fetti". Wenn Du von dem auch'n Foto hast, können wir ja 'ne Artenbestimmung vornehmen. Die fressen jedenfalls Insekten, könnte daher passen: http://de.wikipedia.org/wiki/Zauneidechse

Zu Deinen Fragen:
1) Was sich unter den Steinen befindet, sind wahrscheinlich die Puppen. Dabei handelt es sich um das Endstadium der Brut, aus denen dann die fertigen Ameisen schlüpfen. Daher sind die auch größer als die Biester selbst, denn die Verpackung ist ja immer größer. Genauso wie bei neu gekauften Fernsehern.
Die Eier (1. Stadium) sind viel kleiner (weiße Kügelchen), danach kommen die Larven (schon etwas größer, wie so kleine Würmchen, und schon mit Struktur), und dann die Puppen. Diese sind häufig unter Steinen zu finden, da sie anscheinend Wärme brauchen - und die speichert so'n Steinhaufen ja bekanntlich und gibt sie gleichmäßig ab.

2) Geflügelte und ungeflügelte Ameisen sind ein Volk. Die geflügelten sind die Geschlechtstiere, die beim Schwärmen ausfliegen und sich in der Luft begatten. Die kleineren sind die Männchen, die nach dem Luftverkehr sterben, und die größeren sind die Weibchen, die nach Befruchtung ihre Flügel abwerfen und als Jungköniginnen neue Völker gründen (sofern sie nicht vorher von Vögeln gefressen werden).
(Der alte Tanzschulenkracher "Love is in the air" muss ein Song über Ameisen sein)

3) + 4) Ist wohl noch nicht Schwärmtag (s. 2)). Und dass sie sich verkriechen und nicht kämpfen oder mit anpacken beim Puppenretten, muss mit Ihrer herausragenden Bedeutung für die Fortpflanzung zu tun haben.

Alles klar? Bin jetzt auf die Fotos gespannt.

Iggster hat gesagt…

Erstmal danke für die ausführlichen und auch durchaus palusibel klingenden Antworten. Ich kann dann auch noch die letzte Frage auflösen, da es bei uns in der Abteilung auch Reptilien-Experten gibt. Fetti ist in der Tat eine Dame. Und zwar sehr offensichtlich tatsächlich eine trächtige. Nichts desto trotz darüber hinaus aber auch eine gut ernährte trächtige Dame. Jetzt habe ich natürlich doch ein bißchen schlechtes Gewissen, den Geburtsort der kleinen Fettis zerstört zu haben. Ich hoffe nur Fetti, konnte sich noch nach einer Alternative umsehen.